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Helga König im Gespräch mit Frank Behrendt über sein Buch "Die Winnetou-Strategie", Gütersloher Verlagshaus

Lieber #Frank_Behrendt, heute habe ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" Ihr Buch "Die Winnetou-Strategie" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen nun einige Fragen stellen.


Helga König: Sie erwähnen in Ihrem Vorwort Ihren Vater Jan-Peter Behrendt, indem Sie sagen "Er war ein großer Häuptling und zeigte mir den Weg zu Winnetou, mit dem ich seitdem durchs Leben reite. Der Sonne entgegen". Möchten Sie den Lesern von "Buch, Kultur und Lifestyle" verraten, welche konkreten Erfahrungen sich hinter diesen schönen Worten verbergen? 

 Frank Behrendt
 Foto: John M. John
Frank Behrendt:  Gerne. Ich bin unterm Zuckerhut in Rio de Janeiro aufgewachsen. Mittags war es immer extrem heiß in Brasilien, wir Kinder mussten Mittagspause in einem kühlen Raum machen. Mein Vater hat uns dabei immer Geschichten erzählt: Odysseus, Die Siegfried-Saga und auch Karl-May. Winnetou und Old Shatterhand haben meinen Bruder und mich von allen am meisten fasziniert. Mein Vater hat immer besonders die Werte betont, die der edle Häuptling und sein Blutsbruder im Wilden Westen vorgelebt haben. Werte sind mir auch heute noch extrem wichtig, da schließt sich der Kreis zu meiner Kindheit und den Winnetou-Geschichten meines Vaters. 

 Helga König
Helga König: Blutsbrüder- und –schwestern sind Begriffe aus der Romanwelt Karl-Mays. Wie erkennt man potentielle Blutsgeschwister am einfachsten im realen Leben? 

Frank Behrendt:  Das ist ein bisschen so wie mit dem Verlieben. Man spürt es irgendwie, dass die Begegnung mit einem Menschen etwas besonderes sein oder werden könnte. Aber wie in einer intakten dauerhaften Beziehung kommt die Bewährungsprobe erst später. Wenn man merkt, dass die oder der andere auch in kritischen Situationen wie ein Fels in der Brandung an deiner Seite steht, dann weißt du, dass du dich auf sie oder ihn bedingungslos verlassen kannst. Das kann dann eine Blutsschwester oder ein Blutsbruder fürs Leben werden. 

Helga König: Sie haben als Kind Karl May und später offenbar antike Philosophen in Fragen der Ethik zu Rate gezogen. Haben sich Ihre ethischen Werte im Laufe der Jahrzehnte maßgeblich verändert? 

Frank Behrendt:  Nein, da bin ich mir treu geblieben. Ich bin ohnehin jemand, der sehr stark in seiner glücklichen Kindheit verankert ist und ich bin auch nie so richtig erwachsen geworden. Freundschaft, Ehrlichkeit, Respekt, Verlässlichkeit waren mir als Junge wichtig und sind es heute noch. Was sich verändert hat, ist das Umfeld. Früher ging es um Werte innerhalb einer Klassengemeinschaft oder im Ruderverein, heute in meiner eigenen Familie oder in einem Unternehmen. Aber am Ende geht es immer um das gleiche: Ein faires und wertschätzendes Miteinander. Die Welt könnte schöner und friedlicher sein, wenn jeder so ticken würde. 

Helga König: Mir hat gefallen, dass Ihre Eltern Sie und Ihre Geschwister schon sehr früh zu verantwortungsvollem Handeln herangezogen haben. Ist eine solche Erziehung die Voraussetzung, um später eine Führungsposition auch umfassend mit Alphaqualitäten abdecken zu können?

 Frank Behrendt
 Foto: John M. John
Frank Behrendt: Voraussetzung nicht, es gibt auch Menschen, die ich kenne, die keine Vorzeige-Kindheit hatten und trotzdem herausragende Führungspersönlichkeiten geworden sind. Aber zweifellos erleichtert es einiges, wenn man früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Eltern spielen eine große Rolle bei der Entwicklung einer Persönlichkeit, ich bin meinen Eltern auf jeden Fall sehr dankbar, was sie mir alles mit auf den Lebensweg gegeben haben. 

Helga König: Sie philosophieren in Ihrem Buch auch immer wieder über Stammesverhalten. Bedeutet dies, dass wir am Ende in unseren Grundmustern archaisch geblieben sind?

Frank Behrendt:  Da könnte man jetzt mit Wissenschaftlern und Philosophen die ganze Nacht diskutieren. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass der Mensch innerhalb einer Gruppe früher wie heute bestimmte vergleichbare Muster an den Tag legt. Natürlich haben sich Dinge im Umfeld geändert, zum Beispiel die Tatsache, dass früher in vielen Berufen fast ausschließlich Männer die Gruppen gebildet haben. Die verhalten sich untereinander anders, als männlich/weiblich gemischte Gruppen. Aber gute Führungskräfte gab es auch in den vergangenen Jahrhunderten und das, was sie seinerzeit ausgezeichnet hat, ist oft gar nicht so weit von dem entfernt, was man heutzutage von einer oder einem modernen Leader/in erwartet. Speziell im Bereich Kommunikation und Motivation. 

Helga König:  Sie schreiben "In jeder Lebensphase genau mit den Leuten zusammen sein zu dürfen, mit denen dich Wesentliches verbindet, ist pure Lebensqualität". Wie kann ein guter Häuptling seines Lebens dieses Ziel erreichen, ohne andere vor den Kopf zu stoßen? 

Frank Behrendt:  Natürlich ist das (Berufs)Leben kein Wunschkonzert. Jeder von uns muss auch Kompromisse machen. Aber es ist immer erstrebenswert, sowohl beruflich, als auch privat eine Anzahl von Menschen im direkten Umfeld zu haben, die einen inspirieren und in Bezug auf die Definition von Kernwerten auf der gleichen Wellenlänge liegen. Und andere, auch wenn sie nicht zu den Lieblingsmenschen gehören, kann man ja dennoch respektvoll und vernünftig behandeln.

Helga König:  Ein kluger Häuptling zieht weise Ratgeber in Entscheidungsprozessen zu Rate. Worin liegen die besonderen Qualitäten solcher weisen Menschen? 

 Frank Behrendt
 Foto: John M. John
Frank Behrendt:  Ich verweise in diesem Zusammenhang oft auf einen meiner absoluten Lieblingsfilme: "Man lernt nie aus" mit Robert de Niro. Er spielt darin einen Senior-Praktikanten, der in einer Online-Modefirma eigentlich keinen echten Mehrwert liefern kann, weil er von der digitalen Welt nichts versteht. Aber er wird zum wertvollsten Mitarbeiter, weil er etwas hat, was alle anderen nicht haben: Lebenserfahrung. Darum geht es. Wer schon so manchen Sturm in seinem Leben durchgestanden hat, hält das Steuerrad auch bei den höchsten Wellen ruhiger, als ein Youngster, der zum ersten Mal Gegenwind erlebt. 

Helga König: Kann man Humor erlernen oder ist sie eine Gabe der Natur? Wie ist das bei Sam Hawkens? 

Frank Behrendt: Den guten alte Sam hat Karl May als komödiantischen Side-Kick zu seinen ansonsten ja sehr ernsthaften Helden angelegt. Das macht die Geschichten facettenreicher, weil ein Kontrast da ist. Und so ist das aus meiner Sicht auch im Leben: Es passiert in der Welt viel, was wirklich nicht zum Lachen ist. Umso wichtiger ist ein Kontrast. Warum ist Comedy im Fernsehen oder auf der Bühne so erfolgreich? Weil wir alle auch mal Ablenkung brauchen. Lachen befreit. Natürlich ist es auch Veranlagung, ob man eher ein fröhlicher oder ernsthafter Mensch ist. Aber lachen kann jeder – man muss es nur öfter tun und zulassen. Meine Mutter sagte immer, dass ihr am besten an meinem Vater gefallen hat, dass sie immer zusammen lachen konnten. Eine wunderbare Liebeserklärung wie ich finde.

Helga König: Der Begriff "Krieger" ist in Ihrer Denkwelt ja offensichtlich nicht destruktiv gemeint. Was macht einen guten "Krieger" aus, wofür kämpft er? 

Frank Behrendt:  Ich bin da eher wie der von mir verehrte Paolo Coelho unterwegs, der in einem seiner Bücher vom "Krieger des Lichts" spricht. Das hat für mich viel Energie und ist positiv behaftet. Ein guter Krieger ist für mich jemand, der für Werte und seine Überzeugung kämpft. Er hat eine klare Haltung, tritt auch für andere ein, geht konsequent seinen Weg und lässt sich nicht einschüchtern. 

Helga König:Woran erkennt man, dass man es mit einem echten Häuptling zu tun hat, nachdem es ja eher unüblich ist, sich mit Federhaube im öffentlichen Raum zu bewegen? 

Frank Behrendt
 Foto: John M. John 
Frank Behrendt: Ein echter Häuptling - kurioserweise gibt es keine weibliche Form des Begriffs, obwohl es so viele tolle Frauen gibt, die dieses Prädikat verdienen - ist eine/r, zu der/dem man aufschauen kann. Ein Vorbild, ein Leuchtturm. Dazu braucht sie oder er keine Federhaube. Diese Menschen strahlen etwas aus, was besonders ist. Ein früherer Kollege von mir hat mal über unsere damalige Chefin gesagt: "Ihr Verhalten ist immer respektvoll, ihr Blick stets klar und jedes ihrer Worte ist wertschätzend." Das finde ich eine sehr treffende Beschreibung für jemand, den ich als würdigen Häuptling bezeichnen würde.

Lieber Frank Behrendt, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König


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