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Helga König im Gespräch mit dem Autor Helge Hesse über sein schriftstellerisches Schaffen.

Lieber Helge Hesse, vor geraumer Zeit habe ich zwei Ihrer Bücher auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Es handelt sich um die Werke "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" und "Mit Platon und Marilyn im Zug".  Damit unsere Leser Sie und Ihre Bücher näher kennen lernen, möchte ich heute einige Fragen an Sie richten.

Helga König: Sie haben Philosophie- und Betriebswirtschaftslehre studiert und sind als freier Autor und Publizist zu historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Themen tätig. Können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang als Autor berichten? 

 Helge Hesse
Helge Hesse:  Nach dem Studium habe ich mehrere Jahre im Marketing von Verlagen gearbeitet. Meine Leidenschaft aber lag in der inhaltlichen Beschäftigung mit allen Facetten der Kultur. Ich bin mit einer Theatergruppe aufgetreten, für die ich auch Stücke verfasste und ich habe immer schon gemalt. Schließlich machte ich mich für den Broterwerb als Berater selbständig und stürzte mich verstärkt in diverse Projekte: Film, Kunst, Buch etc. Eines davon war schließlich jenes Projekt, das das "Ökonomen-Lexikon" wurde und heute in der zweiten überarbeiteten Auflage als "Personenlexikon der Wirtschaftsgeschichte" vorliegt. Das Buch war sehr erfolgreich und kurz darauf fand ich für meine Buchidee "Hier stehe ich, ich kann nicht anders - In 80 Sätzen durch die Weltgeschichte" mit Eichborn einen Verlag. Der Erfolg des Buches ließ mich den Schritt wagen, als freier Autor weiter zu arbeiten. 

 Helga König
Helga König: Sie sind in den sozialen Netzwerken aktiv. Dienen die Aktivitäten vorrangig der Vermarktung von Büchern oder geht es Ihnen dort auch noch um andere Dinge? 

Helge Hesse: Den Sozialen Netzwerken habe ich mich vergleichsweise spät zugewandt. Auf Twitter bin ich erst seit zwei Jahren, auf Facebook und auf Instagramm erst seit diesem Jahr aktiv. Ich bin begeistert über den direkten und anregenden Kontakt, der sich darüber zu Lesern, anderen Autoren, weiteren Kulturschaffenden entwickelt hat. Ich glaube, die sozialen Netzwerke sind weniger eine Marketingplatform, um den Verkauf von Büchern direkt anzukurbeln, als eine zusätzliche Form des Publizierens. Es gibt zum Beispiel Twitterer, die das Medium auf so eigenständige und interessante Weise nutzen, dass ich mich schon auf den nächsten Tweet freue. 

Helga König: Sie haben sich auch Filmregisseur betätigt. Was gibt es darüber zu berichten? 

Helge Hesse: Das ruht leider zur Zeit. Vor einigen Jahren waren es zwei Kurzfilme, die auf mehreren Filmfestivals liefen. Aber ganz ausschließen möchte ich das Filmen für die Zukunft nicht. 

Helga König: Welche zentrale Botschaft wollen Sie durch Ihr in viele Sprachen der Welt übertragenes Buch "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" vermitteln? 

  
Helge Hesse: Wir tragen die Geschichte im Alltag mit uns. In diesem Buch greife ich die Spuren auf, die sie in unserer Sprache hinterlässt. Über die versammelten berühmten Zitate und deren historischen Hintergründen entwickelt sich, wie ich meine, die zentrale Botschaft, dass wir im Alltag ohne es oft zu wissen, von unserer Geschichte stark geprägt sind. 

Helga König: Gibt es historische Persönlichkeiten im soeben genannten Buch, die Sie besonders interessiert haben und wenn ja aus welchen Gründen? 

Helge Hesse: Mich interessieren die Persönlichkeiten, die mich überraschen oder jene, von denen ich glaube, dass sie in ihrer Bedeutung in der allgemeinen Wahrnehmung noch zu kurz kommen. Es sind Menschen, deren Denken, deren Charakter und deren Leben aber auf irgendeine Weise spannend sind. Warum das so ist, liegt oft auch an Wahrnehmungen. Mich haben im betreffenden Buch besonders Jeremy Bentham, Thomas Hobbes, Thales von Milet und die Marquise von Pompadour fasziniert. 

Helga König: Mit "Bilder erzählen Weltgeschichte" haben Sie dann einen anderen Blickwinkel eingenommen, Geschichte zu erzählen? 

Helge Hesse:  In diesem Buch durchschreite ich die Weltgeschichte anhand von gemalten oder gezeichneten Bildern. Ich habe dafür Bilder ausgesucht, von denen ich meine, dass sie eine jeweilige historische Situation realistisch und nachvollziehbar darstellen und eine Annäherung auf der Gefühlsebene zulassen. Dazu schildere ich den historischen Hintergrund, ob es die Konfrontation von Jesus mit Pilatus vor der Menge des Volkes ist, oder der Tod Cäsers oder das eindringliche Bild der brennenden Türme des Word Trade Centers von Gerhard Richter. Interessant für mich war dabei unter anderem, dass es dabei immer auf einer anderen Ebene auch darum geht, wie Historie gezeigt wird, welche Motive hinter den Motiven stehen. 

Helga König: Ein Exot in Ihrem bisherigen Schaffen ist "Wo der Fettschwanzmaki fremdgeht". Was gibt es zu diesem Buch zu sagen?

Helge Hesse: Es nennt sich im Untertitel "Das Länderlexikon der erstaunlichen Fakten". Dieses Buch habe ich mit einem meiner Brüder und mit meiner Frau geschrieben. Jedem Land dieser Welt wird in diesem Buch der gleiche Platz gewidmet, sei es Deutschland oder Vanuatu. In ungewöhnlichen Rubriken spüren wir dem jeweiligen Charakter jedes Landes nach (beispielsweise: "Warum die Außerirdischen gleich wieder wegfliegen würden" oder "Nur hier") und zeigen dabei, wie jede Kultur die Menschheit und unsere Welt bereichert. Beispiele? In Japan gehört angeblich jede vierte Kabine in einer Frauentoilette einem Geist. Der Name von Malta stammt von dem phönizischen Wort für "Zuflucht". Rumänien war für die Germanen die Fremde, die "Wallachei". Der größte Golfer lebte einst in Nordkorea, denn Kim-jong-il, Vorgänger des heutigen Machthabers Kim-jong-in soll einst auf einer Golfrunde elf mal direkt mit dem Abschlag ins Loch getroffen haben. 


Helge Hesse: Das "Personenlexikon der Wirtschaftsgeschichte" richtet sich an Fachleute aber auch Laien und versucht anhand der wichtigsten Personen zu zeigen, wie Denken und Praxis in Politik und Wirtschaftsgeschehen ineinander greifen. Auch hier geht es mir, wie immer wieder in meinen Büchern, um einen erweiterten und einen vernetzenden Blick, um den Versuch, Geschehnisse und Entwicklungen nicht isoliert zu betrachten.

Helga König: Was hat Sie umgetrieben "Mit Platon und Marilyn im Zug" zu schreiben? 

Helge Hesse: Es gibt wichtige Fragen, die wir uns immer wieder stellen und von denen wir wissen, dass wir sie nie endgültig und abschließend beantworten können: Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es einen gerechten Krieg? Ist der Kopf wichtiger als das Herz? Was sollen wir mit unserem Leben anfangen? Mich hat nun interessiert, welche Begegnungen berühmter Menschen die Auseinandersetzung mit derlei Fragen mit sich tragen. So schildert "Mit Platon und Marilyn im Zug" neben vielen anderen Begegnungen wie Goethe und Alexander von Humboldt nach dem Wesen der Natur suchen, van Gogh und Gauguin mit der Frage konfrontiert werden, ob Kunst lebensnotwendig ist. 

Helga König: In einem Tweet vom 2.9. 2017 schreiben Sie: "Mit seiner zu "Wissen ist Macht" verdichteten Idee forderte Francis Bacon um 1600 d. prakt. Anwendung des Wissens. Ein Schritt z. Aufklärung." Welche Bedeutung hat für Sie die Aufklärung noch heute? 

Helge Hesse: Für mich ist die Aufklärung der womöglich wichtigste neue Weg, den die Menschheit je eingeschlagen hat. Die Entscheidung durch eigenes Denken, durch den Versuch, über Verstand und Vernunft zu entscheiden, und mit Wissen statt mit Glauben Entscheidungen zu treffen, ist der beste Weg nicht nur zu der größtmöglichen Erkenntnis, sondern auch hin zu Freiheit und Pluralismus. 

Helga König: Arbeiten Sie mittlerweile an einem neuen Buchprojekt und falls ja, dürfen wir schon wissen, worum es geht?

Helge Hesse: Ich arbeite immer gleichzeitig an verschiedenen Projekten. Manche werden erst nach Jahren realisiert. Gerade beschäftige ich mich intensiv mit zwei belletristischen Arbeiten und zwei Themen, die zu Sachbüchern werden könnten. Was wann aber konkret in Druck geht, kann ich heute noch nicht sagen. 

Lieber Helge Hesse, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Website von Helge Hesse: https://www.helge-hesse.de/